Meine Positionen

Um sich einen Endruck davon zu machen, welchen Grundsätzen ich in meiner Beratung folge, habe ich für Sie eine kleine Zusammenfassung vorbereitet. Für mich ist für eine Zusammenarbeit allerdings nicht ausschlaggebend, dass Sie mit mir in allen Punkten einig sind.

Viel wichtiger ist es mir, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich möchte Ihnen einen Einblick in die Lebenswelt Jugendlicher geben. Und ich möchte, dass Jugendliche wissen, dass ich auf "ihrer Seite" stehe, sie ernst nehme und mich über ein offenes Gespräch freue, das unter uns bleibt. Das gilt natürlich auch für die Erwachsenen!

Keine Bewertung, sondern Unterstützung!

Im Beratungsgespräch ist mir wichtig, das Verhalten anderer nicht zu bewerten. Denn letztlich ahnt jeder selbst, was Mist war und was nicht. Aber jede und jeder macht "Fehler" oder Dinge, die sie/er bereut. Eltern zum Beispiel können nie alles richtig machen. Das geht gar nicht. Aber sie können sich vornehmen, in der Familie ein gutes Miteinander zu haben.

In meinen Vorträgen und Workshops kommt es mir vor allem darauf an, Lösungen für ein Problem zu erarbeiten, mit denen ihr gut zu Recht kommt/Sie arbeiten können. Sie müssen zu euch/Ihnen passen. Und ich möchte gemeinsam mit euch/Ihnen herausfinden, was sich passend anfühlt, was überzeugt und was ihr/Sie vertreten wollt/wollen. Einfach: Wo der Weg hinführt und was du dafür brauchst/Sie dafür brauchen.

Jugendliche brauchen Vertrauenspersonen!

Junge Menschen leben heute in einer Zeit, die ihnen viel abverlangt. Ihre Denkweise ist zunehmend von dem vorherrschenden gesellschaftlichen Leistungsethos geprägt, der für individuelle Orientierung, für den Aufbau einer eigenen Identität und Lebensplanung wenig Spielraum lässt, geschweige denn für zeitweise Durchhänger oder vermeintliche "Leistungsschwächen".

Es ist unsere Aufgabe, als Erwachsene Mädchen und Jungen darin zu unterstützen, einen guten und individuellen Weg der Lebensgestaltung zu finden. Wir sollten ihnen den Rücken stärken und sie auf ihrem Weg bestmöglich fördern – nicht nur im Bildungsbereich, sondern auch in der Persönlichkeitsbildung und Lebenslaufgestaltung.

Sie brauchen uns als Ansprechpartner, Vorbilder und Förderer – vor allem in der Zeit der Orientierung rund um die Phase der Pubertät.

Junge Menschen müssen in ihrem Selbstbild gestärkt werden!

Der Körper wird für diese Generation Jugendlicher vielfach für Erfolg oder Misserfolg, für Beliebtheit oder Ablehnung verantwortlich gemacht. Immer mehr Jugendliche – vor allem Mädchen – hadern mit Figur und Gewicht. Sie machen Diäten, haben beim Essen ein schlechtes Gewissen und fürchten die erste nackte Begegnung mit einem Partner, weil sie sich selbst nicht schön finden.

Deshalb ist es eine der dringlichsten Aufgaben von Pädagogen, dazu beizutragen, dass das Selbstwertgefühl junger Menschen wieder besser wird. Das kann vor allem mit einem liebevollen und wertschätzenden Blick auf den Körper und die Persönlichkeit erreicht werden. Die Arbeit an vermeintlichen "Schwächen" ist für Jugendliche demotivierend. Sie brauchen anscheinend dabei Hilfe, ihre positiven und von anderen geschätzten Eigenschaften zu erkennen und zu sehen: Ich bin auf meine Art schön, kann etwas besonderes, stehe dazu und lasse mir nichts anderes einreden.

Aufklärung muss früh beginnen – in der Familie!

Kinder und Jugendliche brauchen Antworten auf ihre Fragen, wenn sie gestellt werden. Für mich gibt es grundsätzlich kein "zu früh". Es kommt auf die Art und Weise der Aufklärung an. Meine Erfahrung zeigt, dass Eltern von Kindergarten- und Grundschulkindern befürchten, ihr Kind mit Informationen zu überfordern. Oft zu unrecht. Denn das passiert nicht, wenn sie genau auf das antworten, was die Kinder fragen – ehrlich und mit ihren eigenen Worten – und nicht mehr und nicht weniger.

Denn gerade kleinere Kinder haben eine recht pragmatische Art, die gewünschten Informationen über körperliche Entwicklung und Sexualität aufzunehmen. Die Reaktion ist oft nicht anders, als wenn sie irgendeinen anderen biologischen Zusammenhang erklärt bekommen. Immer vorausgesetzt, dass es den Eltern gelingt, darüber auch normal zu sprechen und nicht "merkwürdig anders".

Das kann geübt werden, und dazu möchte ich Mut machen. Denn es gibt immer noch Mädchen, die zum Beispiel mit neun Jahren ihre erste Regel bekommen und keine Ahnung haben, was los ist. Ein unnötiges Trauma, auf das diese Mädchen hätten vorbereitet werden können. Und Jungen schämen sich wegen einer in den "U-Untersuchungen" nicht entdeckten Vorhautverengung, von der sie ihren Eltern nicht erzählen mögen. Auch das ist völlig unnötig. Hier sind vor allem die Väter gefragt, eng mit den Jungen in Kontakt zu sein.

Überlassen Sie die Aufklärung ihres Kindes nicht allein anderen!

Viele Jugendlichen reden im Elternhaus nicht über Liebe, Körper und Sexualität. Entweder, weil die Jugendlichen selbst es nicht wollen, oder weil die Eltern es ablehnen. Aber woher bekommen diese Jungen und Mädchen dann ihre Informationen? Wir können nur hoffen, dass sie andere und vor allem gute Quellen finden, sich schlau zu machen. Erwachsene können nur dann sicher sein, dass ihr Kind gut informiert ist, wenn sie selbst mit ihm darüber gesprochen haben. Alles andere ist mehr oder weniger Zufall, denn auf die Qualität des Aufklärungsunterrichts der Schule sollten sich Eltern nicht verlassen.

Mein Appell an Eltern

Machen Sie nicht den Fehler zu glauben, Jugendliche "von heute" wüssten schon alles. Sie wissen viel. Das stimmt. Aber sie sind trotzdem verunsichert, wenn es um Zwischenmenschliches oder um Details in der korrekten Anwendung von Verhütungsmitteln geht. Jeder Jahrgang muss sich dieses Wissen wieder neu erarbeiten.
Mit ein paar Stunden Biologie-Unterricht ist es bei weitem nicht getan. Und "Dr. Sommer" allein kann auch nicht alles leisten. Ein Zusammenspiel von Elternhaus, Schule, externen Aufklärern und guter medialer Aufklärung wäre optimal, damit möglichst viele Kinder und Jugendliche erreicht werden. "Sie sind also gefragt, liebe Eltern!"

Bescheid zu wissen, gibt Kindern Sicherheit!

Anfangs ist es nicht immer leicht, mit Kindern über die aufkommenden Themen der Pubertät zu reden. Fangen Sie daher rechtzeitig an, es als selbstverständlichen Teil Ihrer Gesprächskultur zu leben. Sie werden sehen: Es wird von Mal zu Mal leichter. Und es ist ein gutes und beruhigendes Gefühl, wenn sie wissen: Mein "Kind" (wie es vielleicht bald nicht mehr genannt werden möchte) weiß Bescheid, schätzt seinen Körper und hat das Wissen und die nötige Haltung, gut auf sich zu achten. Unterschätzen Sie nicht, wie viel Sicherheit das ihrem Kind in seinem Alltag geben kann. Das ist ein großes Kapital, das Eltern ihren Kindern geben können.